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De Kuckuck an’ Wadelheimer Bahnhof

Von: Otto Pötter

Erst wör et män bloß de Lehrter Bahnhof. Dann mööken se 2007 daorut den Berliner Hauptbahnhof. Den kennt tüskentiets jedereen. Waorüm? Weil de monströse Glaskasten ne guede 1 Millarde Euro kost’ häff. Woher sovull Geld kümp? Ganz eenfach: „von Streckenstilllegungen“ up’t Land.

Den Wadelheimer Bahnhof kennt vandage nich eener mehr. Waorüm? Weil se „aus wirtschaftlichen Erwägungen“ den stäödigen Klinkerbau nich haollen konnen – et feihlde an Geld... So mööken se en kaputt. Dat schöne Huus för den Stationsvorsteher samt Bahnbeamten stönn dr noch met ’n Nebengebäude büs Anfang 1990. Dann kam auk daoför der Bagger. Un wat fröher de Bahnstrecke wör, is vandage ’n Radweg.

So is dat.

Kümp et in de Hauptstadt up ’n paar Millionen gar nich an, kniepet se up ’t Land an’ lessten Pennig. Föhrt se in de Hauptstadt erster Klasse, mött’ se up ’t Land män up et Rad stiegen...      

Wat wören et noch schöne Tieten, as de Lüe sick hier „unner Damp“ noch fein öewer Land konnen rulllen laoten. Up „Zwischenstation“ konn man sick dr gar auk noch bi Hermelings met guet Reiseproviant orre „Geschenke in letzter Minute“ indecken, denn Hermelings harren dao glieks dichte bi ’n Wadelheimer Bahnhof ’n netten Kolonialwarenladen.

So wiet, so guet.

Up witten Sunndag harren Hermelings dr auk es Kinnerkommunion. Un – wat wör dat schön bequem! – met ’n Zug rullde to den grauten Ehrendag auk Besöök van wiether dao up Wadelheim hento.

Opa-Mesum, allemaol fien met Kuffer, Stock un Hoot, föhrde all muorns üm halw achte in. He harr dat bi so wat immer giän fröh. Un Hassebassen in sien Öller, dat konn he gar nich aff. Et wör jä auk Mai un richtig schön Wiär. Drüm konnen se auk alle den heelen Dag öewer bi Hermelings kommodig in’ Gaoren sitten.

Opa-Mesum föhlde sick auk denn auk siet langem es maol wier richtig guet up ’n Damm.

Nu moss aower wietten, dat dao bi Hermelings an’ Wadelheimer Bahnhoff jüst sunndags immer kieggen 14.30 Uhr met Donnerundoria ’n Bollerjan van D-Zug „Durchfahrt“ harr. Dao konns män vör laupen gaohn!

Män Opa-Mesum konn siet ’n Krieg ohnehen slecht hören, drüm konn dat D-Zug-Spektakel an siene Nerven Gott Dank nich graut mehr wat maaken. Män ansüss kreeg de aolle Mann all’s wuohl guet noch so mit, wat he mitkriegen woll. Drüm wör he dao met sien Snäpsken un de fiene Handelsgold (Zigarre) in froher Runde auk allemaol guet tofriär. Män up eenmaol göng di dat dao loss.

Deibelslag!

As wenn de Welt unnergöng, bruusede un huulde de D-Zug dör ’n Bahnhoff – un glieks wiethen öewer ’n Bahndamm weg flög he, ächter ne Wulk van Damp, män es so ’n Ungeheuer weg. All’s verschröck sick un keek heel dutt in de Welt. Gar dat een off anner Glas up ’n Disk fööl debi üm. Bloß...

Bloß Opa-Mesum keek vergnögt lück sietaff, gnöchelde vör sick hen, drünk ’n Schluck van sien Snäpsken, schüddelde sienen Glatzkopp un mennde siälig:

„Meinee, dat mott doch wuohl an’ Witten Sunndag liggen, dat ick in mien Öller hier es maol wier den Kuckuck hör...“